Reichweite fossiler Rohstoffe

Bohranlage

Die Endlichkeit fossiler Rohstoffe und die daraus abgeleitete Schlussfolgerung, die vorhandenen Reserven und Ressourcen seien bereits in nächster Zukunft aufgebraucht, ist immer wieder Thema der öffentlichen Diskussion. Die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte, die Einführung der Ökosteuer und die Förderung erneuerbarer Energien werden hiermit begründet und in energiepolitische Programme integriert. Diese untermauern - u.a. unter dem Motto "Weg vom Öl" - die meist auf falschen Informationen beruhenden Ängste der Bürger auf emotionale Weise.

Trotz eines ständig gestiegenen Weltölverbrauchs haben sich die bestätigten Ölreserven von 1970 bis 2000 nahezu verdoppelt. 67 Prozent davon liegen im Nahen Osten. Die bestätigten Gasreserven haben sich sogar fast vervierfacht: Sie sind seit 1970 von 46 Billionen m³ auf heute 165 Billionen m³ gestiegen, d.h. es wurde in den letzten 30 Jahren deutlich mehr Gas dazugefunden als im gleichen Zeitraum verbraucht wurde.

Den bestätigten Reserven der konventionellen Kohlenwasserstoffe (Erdöl und Erdgas) von 388 Mrd. t SKE im Jahr 2000 ist eine fast gleich große Menge konventionelle Ressourcen von 341 Mrd. t SKE hinzuzuzählen, die zu einem Gesamtpotential von 729 Mrd. t SKE führen. Dazu kommen weitere 1 226 Mrd. t SKE nicht konventionelle Kohlenwasserstoffe (ohne Gashydrate und Aquifere).

Bei der Frage, wie lange reichen die Öl- und Gasreserven, gibt es eine statische und eine dynamische Betrachtungsweise.
Im ersten Fall wird für Öl häufig auf eine Definition zurückgegriffen, die sich nur auf die bestätigten Reserven bezieht. Diese Definition stammt aus der Bankenwelt und dient dem Anleger- und Gläubigerschutz. Sie wird häufig verwendet, ist aber für die Beantwortung der Frage, wie lange die Ölvorräte reichen, nicht geeignet. Bei dieser Stichtagsbetrachtung, wurden in der Vergangenheit Ölreichweiten von 20 bis 45 Jahren ermittelt.

Bei der Frage nach der Reichweite der Öl- und Gasvorräte sind nicht nur die bestätigten Reserven, sondern auch die Ressourcen zu berücksichtigen. Dazu gehören wesentliche Teile der nicht konventionellen Kohlenwasserstoffe wie z. B. Schweröle, Ölschiefer, Gashydrate und Aquifere.
Die Öl- und Gasvorräte belaufen sich nach Einschätzung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (Quelle: Kurzstudie Reserven, Ressourcen
und Verfügbarkeit von Energierohstoffen 2006) auf 800 Mrd. t SKE beim Erdöl und 807 Mrd. t SKE (ohne Berücksichtigung von Gashydraten und Aquiferen) beim Erdgas.

Es ist davon auszugehen, dass die in den Ressourcen erfassten Öl- und Gasvorräte bedingt durch technischen Fortschritt und den im Laufe dieses Jahrhunderts (nach 2020) erwarteten langfristigen Anstieg der Öl- und Gaspreise zukünftig verstärkt erschlossen werden. Sinkende Kosten und steigende Öl- und Gaspreise schaffen hierfür die wirtschaftlichen Voraussetzungen.

Die Reichweite des Gesamtpotentials der Öl- und Gasvorräte (aus heutiger Sicht) ergibt sich aus der Division der Vorräte durch den derzeitigen Weltölverbrauch von 5,6 Mrd. t SKE und den Weltgasverbrauch von 3,1 Mrd. t SKE (2006). Daraus resultiert eine Reichweite von 140 Jahren für Erdöl und von 260 Jahren für Erdgas.

Eine zukunftsorientierte Betrachtung wird aber auch einbeziehen, dass der Öl- und Gasverbrauch zukünftig wachsen wird, ebenso wie der historische Trend der Zunahme der Vorräte.

Der Abbau von Ölsanden, Ölschiefern und Schwerstölen oder Erdgas aus extrem dichtem Gestein ist heute technisch möglich. Aufgrund der technologischen Entwicklung konnten die Abbaukosten für Ölsande  deutlich gesenkt werden. Das derzeitige Ölpreisniveau hat daher zur Ausweitung der Ölsandproduktion in verschiedenen Regionen der Welt, z.B. in Kanada, geführt.

 

Begriffsabgrenzungen

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover geht von folgenden Definitionen aus:

  • Reserven (bestätigte Reserven): Teil des Gesamtpotentials, der mit großer Genauigkeit erfasst wurde und mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten wirtschaftlich gewonnen werden kann.
  • Ressourcen: Teil des Gesamtpotentials, der entweder nachgewiesen, aber derzeit nicht wirtschaftlich gewinnbar ist, oder geologisch noch nicht genau erfasst ist.
  • Gesamtpotential: Die Summe aus Reserven und Ressourcen, also das verbleibende Potential, das für den zukünftigen Verbrauch zur Verfügung steht.

Neben den konventionellen Kohlenwasserstoffen beinhalten Reserven und Ressourcen die jeweiligen Anteile an nicht konventionellem Erdöl (Schweröl, Ölsand/(Schwerstöl, Ölschiefer) und Erdgas (Gashydrate, Kohle-Flözgas, dichte Speicher, Aquifere).