Zukunft gestalten

Erdgas- und Erdölproduzenten bleiben relevanter Teil der Energielandschaft und werden deren Wandel aktiv mitgestalten.

Verband sieht erhebliche Potentiale für gasförmige Energieträger auf dem Weg in die Klimaneutralität.

Erfolgreicher Umbau der Energieversorgung braucht Technologieoffenheit, insbesondere auch bei der Erzeugung des klimaneutralen Wasserstoffs.

Der Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) blickt zuversichtlich nach vorn. Hauptgeschäftsführer Ludwig Möhring ordnet die aktuelle Situation der Branche vor dem Hintergrund der energiepolitischen Entwicklungen und des heute vom BVEG veröffentlichten Statistischen Jahresberichts wie folgt ein:

„Die Energiewende in Deutschland geht in die nächste Phase. Auf dem Weg zur Klimaneutralität wird Erdgas eine nachhaltige Rolle spielen, nicht nur weil es klimaschonender als andere konventionelle Energieträger ist. Ein um mehr als drei Prozent erhöhter Erdgasverbrauch im Jahr 2019 – nicht zuletzt durch die allmähliche Ablösung der Kohleverstromung – belegt dies. Erdgas und Erdöl bleiben auch in Zukunft relevant, aber gerade als Produzenten müssen wir die Entschlossenheit zur Gestaltung unserer Zukunft beweisen.

2019 wurden in Deutschland 6,1 Milliarden Kubikmeter Erdgas und knapp zwei Millionen Tonnen Erdöl gefördert – ein moderater Rückgang gegenüber 2018. Die Erdgas- und Erdölproduzenten leisten damit weiterhin einen wertvollen Beitrag zur Versorgung mit Energie und Rohstoffen für die Industrie und den Alltag vieler Menschen.

Dank der verbrauchsnahen Produktion haben Erdgas und Erdöl aus Deutschland eine günstigere CO₂-Bilanz als importierte Produkte und tragen zudem zur Versorgungssicherheit und heimischer Wertschöpfung bei. 2019 hat die Industrie einen Umsatz von insgesamt 1,8 Milliarden Euro erzielt.

Ein Blick auf die Eckpunkte der modernen Energielandschaft zeigt: Heute deckt Strom aus Wind und Sonne erst rund sechs Prozent des gesamten Energiebedarfs in Deutschland ab. Der beabsichtigte Ausbau von Wind- und Sonnenenergie muss also in aller Konsequenz umgesetzt werden. Doch Deutschland wird damit allein nicht annähernd seinen gesamten Energiebedarf decken können. Bei allen Anstrengungen brauchen wir weitere Optionen für eine klimaschonende Energielandschaft, und zwar Energiemoleküle.

Dies gilt insbesondere im Wärme- oder Transportsektor, in denen heute Erdöl und Erdgas eine zentrale Rolle spielen. Dort wird zukünftig zunehmend auch Strom sowie Wasserstoff zum Einsatz kommen. Wasserstoff wird sich dabei als klimaneutraler Eckpfeiler rasant entwickeln können. Voraussetzung dafür ist ein erfolgreicher Hochlauf, insbesondere auch bei der Erzeugung. So wichtig grüner Wasserstoff aus erneuerbarem Strom werden kann, die erforderlichen großen Mengen werden sich nicht in Deutschland herstellen lassen und ein Import, etwa aus Nordafrika, ist aktuell Theorie.

Wenn sich eine Wasserstoffwirtschaft ernsthaft und zeitnah entwickeln soll, brauchen wir Technologieoffenheit und eine entpolitisierte Debatte über die Erzeugung des Wasserstoffs. Die Potentiale von klimaneutralem Wasserstoff, bei dem Erdgas als Grundstoff fungiert, sind ebenfalls zu heben; nur so kann das notwendige Vertrauen in das angestrebte Wachstum der Wasserstoffwirtschaft entwickelt werden. Dies ist kein Wettbewerb zwischen zwei Erzeugungsformen, sondern der Erfolg von Wasserstoff insgesamt wird auf einem konsequenten Nebeneinander beruhen müssen, in dem der Anteil grünen Wasserstoffs stetig wachsen kann. Dies gilt umso mehr, da in der Konsequenz der Covid-19-Entwicklungen die Robustheit und Krisenfestigkeit der Energiewende-Maßnahmen auf den Prüfstand kommen wird.    

Die durch den BVEG vertretene Industrie wird ihre Rolle auch in Zukunft erfolgreich ausfüllen. Zur Gestaltung der Zukunft gehört aber auch, dass wir die Umweltverträglichkeit unserer Aktivitäten proaktiv und im engen Dialog mit unseren Stakeholdern aufgreifen, gemeinsam an sinnvollen Anpassungen der Rahmenbedingungen arbeiten und so auch die politische Unterstützung für unsere Aktivitäten sichern. Dann werden wir mit der Produktion der weiterhin benötigten Erdöl- und Erdgasmengen (auch für die Wasserstofferzeugung), mit der Bereithaltung von Gasspeichern und auch im Zusammenhang mit dem wachsenden Bedarf an Energie aus Geothermie erhebliche Potentiale auf dem Weg in die Klimaneutralität heben können. Wir sind Teil eines umfassenden Wandels der Energielandschaft und werden aktiv zum Erfolg dieses Veränderungsprozesses beitragen.“