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BVEG-Jahresbericht 2025: Erdgasproduktion in Deutschland steigt wieder leicht

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Potenziale des Bohrlochbergbaus in Deutschland kommen aus der Nische: Neben Erdgas und Erdöl werden Wasserstoffspeicher, CCS, Tiefengeothermie und Lithium für eine erfolgreiche Transformation immer wichtiger

Hannover, 12.05.2026. Deutschland ist nach wie vor stark auf konventionelle Energieträger angewiesen. Im Jahr 2025 entfielen 79,4 Prozent des Primärenergieverbrauchs auf konventionelle Quellen. Erdgas und Mineralöl machten dabei zusammen 62,6 Prozent aus, während erneuerbare Energien einen Anteil von 20,6 Prozent erreichten. Gleichzeitig stieg die heimische Erdgasförderung erstmals wieder leicht auf 4,25 Milliarden Kubikmeter an und deckte rund 4,8 Prozent des deutschen Erdgasbedarfs.

Der neue Jahresbericht des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e.V. (BVEG) zeigt vor allem eines: Die heimische Förderung, Untertagespeicher und geologische Kompetenz sind für Versorgungssicherheit, bezahlbare Energie und regionale Wertschöpfung relevant. Zudem eröffnen sie weitere Optionen für eine erfolgreiche Transformation des Energiesystems. Diese Potenziale gewinnen zunehmend an Bedeutung.

In seinem einführenden Videostatement betont BVEG-Hauptgeschäftsführer Dr. Ludwig Möhring: „Angesichts großer geopolitischer Unsicherheiten, zu hoher Energiekosten ohne Aussicht auf nachhaltige Besserung und nachlassender Zukunftsfähigkeit der Industrie braucht Deutschland einen Perspektivwechsel: ein klares ‚Ja‘ zu Transformation und Klimaschutz; daneben aber auch ein klares ‚Ja‘ zur Erhaltung einer wettbewerbsfähigen Volkswirtschaft. Kosteneffizienz, Machbarkeit und Versorgungssicherheit müssen als zentrale Treiber der Transformation viel mehr Gewicht bekommen, auch wenn dadurch lang etablierte politische Narrative infrage gestellt werden.”

Drei wesentliche Ergebnisse des Jahresberichts 2025:

  1. Erdgasförderung steigt leicht, nach jahrelangem Rückgang / rückläufiger Trend bei der Erdölförderung hält an.
    In Deutschland wurden 2025 insgesamt 4,25 Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert. Nach vielen Jahren mit lagerstättenbedingten Produktionsrückgängen entspricht das einem leichten Anstieg um gut zwei Prozent gegenüber 2024. Der Anstieg resultiert zum einen aus der im Jahr 2025 aufgenommenen Förderung in der Nordsee vor Borkum, aber auch aus der Produktionsausweitung in einzelnen Onshore-Feldern. Der Schwerpunkt liegt weiterhin in Niedersachsen: Mit 4,19 Milliarden Kubikmetern wurden dort 98,59 Prozent der gesamten deutschen Erdgasförderung erzielt. Die Erdgasreserven beliefen sich zum 31. Dezember 2025 auf 29 Milliarden Kubikmeter. Diese Menge reicht rein rechnerisch aus, um die Förderung auf dem heutigen Niveau rund sieben Jahre fortzuführen. Sie ist allerdings zu gering, um Deutschlands Importabhängigkeit beim Erdgas wesentlich zu reduzieren. „Über die bekannten Reserven hinaus sind relevante Potenziale für eine höhere Förderung vorhanden. Um diese Potenziale zu heben, braucht es jedoch politische Unterstützung in Wort und Tat“, so Möhring. Der lagerstättenbedingte rückläufige Trend bei der Erdölförderung hält an. Die geförderten Mengen sanken um gut 4,5 Prozent auf 1.554.609 Tonnen. Dies entspricht etwa zwei Prozent des deutschen Erdölverbrauchs.
  2. Deutschlands Untertagespeicher bleiben ein zentraler Sicherheitsfaktor
    Die deutschen Untertagegasspeicher verfügen über ein Arbeitsgasvolumen von insgesamt rund 23 Milliarden Kubikmetern. Das entspricht mehr als 25 Prozent des jährlichen deutschen Erdgasverbrauchs. Damit bleiben die Speicher ein wichtiger Faktor für Flexibilität und Versorgungssicherheit, insbesondere bei saisonalen Bedarfsschwankungen oder Engpässen auf Importrouten.
  3. Heimische Produktion: Wertschöpfung und Transparenz
    Im Jahr 2025 lag der Umsatz der Förderindustrie in Deutschland bei rund 2,3 Milliarden Euro. Im selben Jahr zahlte die Branche insgesamt 139,5 Millionen Euro an Förderabgaben und Förderzinsen und leistete damit einen direkten Beitrag zu den öffentlichen Haushalten. Die 85 BVEG-Mitgliedsunternehmen beschäftigten im Jahresdurchschnitt 6.533 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der Bericht macht zudem die Emissionsdaten transparent: So beliefen sich die Methanemissionen aus der Erdgas- und Erdölproduktion im Jahr 2025 auf 250 Tonnen. Im Jahr 2000 waren es noch 7.966 Tonnen. Selbst unter Berücksichtigung der seitdem um knapp 80 Prozent gesunkenen Erdgasproduktion sind die Emissionen mengenbereinigt um mehr als 85 Prozent zurückgegangen. Diese Bemühungen wird die Industrie weiterhin konsequent fortsetzen, auch mit Blick auf die seit 2024 geltende Europäische Methanverordnung.

Einordnung

Der Anteil erneuerbarer Energien in Deutschland wächst. Doch der Erfolg der Transformation hängt maßgeblich auch davon ab, dass die Energieversorgung mit konventionellen Energieträgern im Interesse der Verbraucher strategisch angegangen wird. Dies betrifft nicht nur die Energie-Importe, sondern auch die heimische Öl- und Gasförderung, die den Transformationsprozess entscheidend flankiert.

„Die Öl- und Gasförderung in Deutschland leistet einen Beitrag zum Klimaschutz, zur Versorgungssicherheit und zu bezahlbarer Energie, solange wir diese Energieträger noch nutzen. Dabei sind wir stolz, dass sich die heimische Erdgasproduktion nach langen Jahren des Rückgangs wieder erhöht hat”, erklärt Möhring und verweist dabei auch auf den Koalitionsvertrag der Bundesregierung, in dem die heimische Gasförderung ausdrücklich betont wird. Ein umfassender strategischer Ansatz für die Erdgasversorgung Deutschlands erfordere daher auch eine informierte Entscheidung über die Nutzung der großen Schiefergaspotenziale in Deutschland.

Möhring betont zudem: „Der Erfolg der Transformation hängt nicht allein von der wachsenden Elektrifizierung ab. Es ist erforderlich, alle wirksamen und kosteneffizienten Optionen für Klimaneutralität, Versorgungssicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit zu betrachten. Lösungen liegen auch unter unseren Füßen: Der Bohrlochbergbau leistet neben der Erdgas- und Erdölversorgung wichtige Beiträge zur Wasserstoffspeicherung, zum Carbon Management (CCS) und zur Tiefengeothermie. Zudem sind heimische mineralische Rohstoffe wie Lithium von großer Bedeutung. Dabei kommt der Einhaltung der weltweit führenden Umweltstandards in Deutschland eine entscheidende Bedeutung zu.“

 

Die Veröffentlichung des Jahresberichts geht mit einer umfassenden Überarbeitung der BVEG-Website einher. Dank des neuen Designs und der erweiterten Funktionen sind der Bericht, die Kennzahlen und die Hintergrundinformationen nun noch einfacher zugänglich.

Links
Zum BVEG-Jahresbericht 2025
Kennzahlen zum Jahresbericht 2025
Videostatement von Dr. Ludwig Möhring

 

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