Tiefe Geothermie in Deutschland 20.10.2026

Merkblatt zu kompetenzbasierten Rollenverteilungskonzepten bei Entwicklung und Betrieb von Tiefengeothermieanlagen und Wärmenetzen

PDF

Eine Handreichung des Geothermieforums Niedersachsen

Geothermie

Tiefengeothermie ist importunabhängig, grundlastfähig und hat das Potential, die Wärme in Deutschland erheblich zu dekarbonisieren. Obwohl die Technik längst etabliert ist, sind Tiefengeothermieprojekte komplex und bedürfen einer Vielzahl notwendiger Kompetenzen: von der geologischen Untertageanalyse über das Tiefbohren bis zum Wärmenetzausbau und dem Betrieb der Anlagen sowie der vertraglichen und finanziellen Gestaltung der auf viele Jahrzehnte ausgelegten Projekte.  Die entsprechende Expertise entscheidet über Erfolg oder Misserfolg der Projekte, sowohl technisch als auch wirtschaftlich. Die Weichen hierfür werden schon sehr früh in der Planungsphase gestellt.

Selten werden alle Kompetenzen in einer Firma oder Organisation gebündelt. Vielmehr werden Tiefengeothermieprojekte sehr häufig arbeitsteilig aufgestellt: Unterschiedliche Akteure übernehmen die technische und wirtschaftliche Verantwortung für die wesentlichen Kompetenzfelder, „untertage“ – „obertage“ oder „Wärmegestehung“ – „Wärmeverteilung“. Zudem haben sich spezialisierte Dienstleister etabliert, die Gewerke wie Bohrtechnik oder Anlagenbau anbieten.

Energieversorger haben häufig eine Historie, bei der sie die wesentlichen Gewerke selbst verantworten, planen und ggfs. auch umsetzen. Selten aber verfügen sie über die geologischen und bergbaulichen Erfahrungen und Kompetenzen. Geothermiebetriebsführer dagegen haben oft keinen Hintergrund im Ausbau und Betrieb von Netzinfrastruktur oder des Endkundengeschäftes.

Die richtige Wahl des Partner- oder Rollenmodells ist für die erfolgreiche Durchführung von Tiefengeothermieprojekten also entscheidend.

Dieses Merkblatt setzt sich mehrere Ziele:

  • Es kartiert die für eine erfolgreiche Projektdurchführung notwendigen Kompetenzen.
  • Es bietet mit einem Fragenkatalog im Anhang eine Entscheidungshilfe zur Kompetenzanalyse, die entweder von der jeweiligen Firma (z. B. vom Energieversorger) intern oder – aussagekräftiger – mit Hilfe von externen Experten durchgeführt wird.
  • Es stellt unterschiedliche bekannte Rollenmodelle vor, die eine vollständige Abdeckung der Kompetenzbereiche erlauben und analysiert kurz ihre Vorzüge und möglichen Schwächen.

Eine kompetenzbasierte Rollenverteilung mit passgenauen Organisationsformen hat das Potential, die Qualität der Umsetzung bei Tiefengeothermieprojekten deutlich zu erhöhen und damit auch den Hochlauf der Tiefengeothermie in Deutschland zu beschleunigen.

Weitere Artikel zu diesem Thema