Heimische Ressourcen und verlässliche Rahmenbedingungen für einen starken Industriestandort Deutschland.
Am 8. Oktober 2026 fand der Parlamentarische Abend des Bundesverbands Erdgas, Erdöl und Geoenergie e. V. (BVEG) im ATRIUM des Alten Rathauses Hannover statt. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung diskutierten über die Voraussetzungen einer wettbewerbsfähigen industriellen Transformation und den Beitrag heimischer Energie- und Rohstoffpotenziale.
„Wir brauchen eine Transformations-Strategie für Öl und Gas. Heimische Förderung darf da nicht fehlen“, betonte BVEG-Vorstandsvorsitzende Claudia Kromberg. Solange Deutschland diese Rohstoffe nutzt, gehört die heimische Förderung zu einer resilienten Energie- und Rohstoffversorgung und sichert Wertschöpfung im eigenen Land. Zugleich reichen die Möglichkeiten der Branche weit darüber hinaus: von Erdgas- und Wasserstoffspeichern über die potenzielle CO₂-Speicherung bis zu Tiefengeothermie und Lithiumförderung.
Mit Blick auf CCS verwies Kromberg auf Dänemark, wo die CO₂-Speicherung auch Onshore entwickelt wird, und die Chancen für Niedersachsen, auch bei der CO₂-Speicherung an Land eine führende Rolle zu übernehmen. Heimische Speichermöglichkeiten könnten Kosten und transportbedingte Emissionen senken. Dafür braucht es jetzt Entscheidungen und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen.
Ute Spring, Präsidentin von Dow Deutschland, betonte in ihrer Keynote die Bedeutung wettbewerbsfähiger Energie und verlässlicher Infrastruktur für die industrielle Transformation. Elektrifizierung, Wasserstoff sowie CO₂-Abscheidung, -Speicherung und -Nutzung seien wichtige Hebel zur Emissionsminderung. Ihre Umsetzung erfordere erhebliche Investitionen und eine rechtzeitig verfügbare Wasserstoff- und CO₂-Infrastruktur.
„Transformation braucht nicht weniger Ehrgeiz, sie braucht mehr Realismus über Geschwindigkeit, Größenordnung und Kosten“, erklärte Spring. Investitionen müssten sich wirtschaftlich rechnen – auch im internationalen Standortvergleich. Dafür brauche es bezahlbare Energie, verlässliche Rahmenbedingungen und funktionierende Genehmigungsverfahren.
Fehle die wirtschaftliche Perspektive, drohe die Transformation außerhalb Deutschlands und Europas stattzufinden. Wettbewerbsfähigkeit sei deshalb entscheidend, um industrielle Produktion und Investitionen am Standort zu halten. Ihre zentrale Botschaft: „Transformation braucht Industrie und Industrie braucht Wettbewerbsfähigkeit.“
Der Abend machte deutlich: Heimische Energie- und Rohstoffpotenziale können die Versorgungssicherheit stärken, Wertschöpfung im Land sichern und damit zur Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts Deutschland beitragen. Entscheidend ist jetzt, diese Potenziale zu nutzen und die Voraussetzungen für konkrete Investitionen zu schaffen – mit bezahlbarer Energie, verfügbarer Infrastruktur und langfristig verlässlichen Rahmenbedingungen. So lassen sich industrielle Transformation, Klimaschutz und ein starker Standort Deutschland gemeinsam voranbringen.
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Impulse aus Ute Springs Keynote „Wettbewerbsfähigkeit: Der Schlüssel zur industriellen Transformation“
Die Keynote bot über die Kernbotschaften des Abends hinaus weitere Impulse für die Energie- und Rohstoffversorgung und die Zukunft des Industriestandorts Deutschland. Im Folgenden haben wir ausgewählte Aussagen von Ute Spring thematisch zusammengefasst.
Wettbewerbsfähigkeit: Voraussetzung für industrielle Transformation?
Wettbewerbsfähigkeit und Transformation sind für Spring keine Gegensätze. Eine wettbewerbsfähige Industrie sei vielmehr die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen in die Dekarbonisierung investieren und diese Investitionen in Deutschland und Europa stattfinden. Hohe Energiekosten belasten dabei nicht nur die heutige Produktion, sondern entziehen Unternehmen auch finanzielle Mittel für die Transformation. Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit müssten deshalb gemeinsam gedacht werden. Entscheidend sei, die industrielle Basis zu erhalten und zu stärken.
Erdgas: Energie und Rohstoff für die Industrie?
Für die chemische Industrie ist Erdgas sowohl Energieträger als auch Ausgangsstoff für zahlreiche Produkte. Nach den von Spring genannten Zahlen verbrauchte die chemisch-pharmazeutische Industrie 2024 rund 108 Terawattstunden Erdgas, etwa ein Viertel davon zur stofflichen Nutzung. Diese sei kurz- bis mittelfristig nur schwer ersetzbar. Neben dem Ausbau neuer Energie- und Rohstoffquellen brauche es deshalb eine verlässliche Versorgung, solange Alternativen nicht in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Kosten verfügbar sind.
Heimische Ressourcen: Versorgung diversifizieren?
Versorgungssicherheit bedeutet für Spring, Energiequellen und Lieferanten zu diversifizieren. Dazu gehören erneuerbarer Strom, Erdgas, Biomethan, Wasserstoff und LNG ebenso wie leistungsfähige Speicher. Auch heimische und europäische Ressourcen könnten das Angebot ergänzen und Importabhängigkeiten reduzieren. Ihren möglichen Beitrag gelte es sachlich, wissenschaftlich und ergebnisoffen zu prüfen.
Untergrundkompetenz: Know-how für die Transformation?
Erfahrungen mit Geologie, Tiefbohrungen, Lagerstätten und Kavernen werden auch für Wasserstoff, CO₂-Speicherung und Tiefengeothermie gebraucht. Spring betont damit die Bedeutung von Kompetenzen, die die im BVEG vertretene Branche seit Jahrzehnten einbringt. Speziell Niedersachsen vereint dafür wichtige Voraussetzungen: Häfen, Energieinfrastruktur, Potenziale für erneuerbaren Strom, Speichererfahrung und industrielle Abnehmer. Entscheidend sei, diese Stärken zu einem funktionierenden Gesamtsystem zu verbinden.
Für die Fracking-Debatte fordert Spring eine wissenschaftsbasierte, transparente und risikoorientierte Betrachtung. Die mögliche Gefährlichkeit eines Stoffes allein beschreibe noch nicht das Risiko seiner Anwendung. Eine belastbare Bewertung müsse konkrete geologische Bedingungen, mögliche Expositionswege, technische Schutzbarrieren, Überwachung und Betriebserfahrungen berücksichtigen. Auch Risiken und Folgen verfügbarer Alternativen seien einzubeziehen. Spring fordert dafür eine starke, wissenschaftsbasierte und risikoorientierte Regulierung. Ein wirksamer Umwelt- und Gesundheitsschutz sei Voraussetzung verantwortungsvoller Technologieoffenheit.
Investitionen: Verlässliche Bedingungen schaffen?
Große Transformationsprojekte müssen technisch funktionieren und wirtschaftlich tragfähig sein – auch im internationalen Standortvergleich. Spring nennt dafür wettbewerbsfähige Energiepreise, rechtzeitig verfügbare Wasserstoff- und CO₂-Infrastrukturen, schnellere Genehmigungen und langfristig verlässliche Regeln. Die Politik müsse den Infrastrukturaufbau ermöglichen und Investitionsrisiken während des Markthochlaufs begrenzen. Investitionen fließen dorthin, wo Energie, Rohstoffe, Infrastruktur, Regulierung, Fachkräfte und Marktchancen überzeugend zusammenkommen.
CCS: CO₂-Infrastruktur für die industrielle Transformation?
Spring zählt die Abscheidung, Speicherung und Nutzung von CO₂ zu den wichtigen Hebeln für die nächste Phase der industriellen Dekarbonisierung. Damit Unternehmen entsprechende Projekte umsetzen können, müssten Transport- und Speicherkapazitäten rechtzeitig verfügbar sein. Diese Infrastruktur könne die Industrie nicht allein schaffen. Gefragt sei die Politik als Partner, der verlässliche Rahmenbedingungen setzt und Genehmigungen beschleunigt. Niedersachsen bringt laut Spring mit seiner Erfahrung bei Kavernen und Speichern sowie möglichen Transportwegen für CO₂ wichtige Voraussetzungen mit.
Carbon-Leakage-Schutz: Industrielle Wertschöpfung in Europa halten?
Wettbewerbsfähige Energie, verlässliche Infrastruktur und wirksamer Carbon-Leakage-Schutz gehören für Spring zusammen, damit industrielle Transformation in Deutschland und Europa stattfindet. Denn die internationale Verbreitung von CO₂-Preisen schafft noch keine vergleichbaren Wettbewerbsbedingungen. Entscheidend sei, welche Kosten einer Anlage tatsächlich entstehen und ob Unternehmen diese am Markt weitergeben können. Freie Zuteilungen für Unternehmen im internationalen Wettbewerb versteht Spring deshalb als notwendigen Nachteilsausgleich. Beim Übergang zu neuen Instrumenten dürften keine Schutzlücken entstehen, die eine Verlagerung von Produktion, Investitionen und Emissionen begünstigen.
Emissionsärmere Produkte: Aus Klimavorteilen Marktvorteile machen?
Ein geringerer CO₂-Fußabdruck muss nachvollziehbar belegt und für Kunden nutzbar sein. Spring fordert dafür verlässliche, international anerkannte und praktikable Methoden zur Ermittlung produktbezogener CO₂-Fußabdrücke. Transparenz allein schaffe jedoch noch keinen Markt. Spring fordert langfristige Abnahmevereinbarungen, eine öffentliche Beschaffung, die Innovation und CO₂-Reduktion berücksichtigt, sowie Anreize für den Einsatz emissionsärmerer Vorprodukte. Entscheidend sei, dass die Nachfrage diejenigen Unternehmen erreicht, die in die Dekarbonisierung investieren.