"Klimaschutz, jetzt aber richtig"

Ein Gastkommentar von Dr. Ludwig Möhring für den energate messenger

Erfolgreicher Klimaschutz wird an der Reduzierung der CO2-Emissionen gemessen. So erfolgreich Deutschland beim Umbau der Stromerzeugung in Richtung Wind und Sonne war (38 Prozent Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in 2018 sprechen für sich), sind jedoch seit Beginn dieses Jahrzehnts kaum CO2-Emissionen eingespart worden. Der öffentliche Druck wächst ("Fridays for Future").

Die Energiewende ist daher wieder einmal Chefsache. Die Einrichtung eines Klimakabinetts und die regierungsinternen
Debatten zum Entwurfs des Klimaschutzgesetzes verdeutlichen die tatsächliche, aber auch die politische Komplexität der anstehenden
zweiten Phase der Energiewende, in der CO2-Einsparungen in allen Verbrauchssektoren abgeliefert werden müssen.

Unbequeme Wahrheiten
Hierbei sind unbequeme Wahrheiten auch in der öffentlichen Kommunikation deutlich zu adressieren. Zu Recht hat die Kanzlerin jüngst
erneut erklärt, dass die klimapolitischen Notwendigkeiten mit Wohlstand und Arbeitsplätzen verbunden werden müssen - sonst steht
auch die Akzeptanz der Bevölkerung auf dem Spiel und damit die Energiewende insgesamt.

1. Die Möglichkeiten von Wind und Sonne sind nicht unlimitiert: 2018 wurden gerade einmal sechs Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs (insgesamt rund 2.500 TWh) aus Wind (112 TWh) und Sonne (46 TWh) gedeckt. Neben (erneuerbarem) Strom werden nunmehr Erdgas/Methan und Wasserstoff als zentrale Energieträger in der modernen Energielandschaft betont - das ist sinnvoll und richtig. Denn nicht nur die Vervielfachung der Wind- und Solarstromkapazitäten wäre höchst theoretisch, sondern auch die Bereitstellung der Grundlastkapazität und Infrastruktur, die zur Erhaltung der Versorgungssicherheit notwendig wäre, wenn unsere
Volkswirtschaft allein auf Strom vertrauen würde.

2. Die im Klimaschutzplan festgeschriebene Einsparung von mehr als 50 Prozent CO2 gegenüber 1990 kann nur gelingen, wenn sämtliche realistischen Potenziale zur CO2-Einsparung erwogen werden - und zwar technologieoffen und orientiert an den damit verbundenen Kosten.

3. Die CO2-Einsparpotenziale im Zusammenhang mit Erdgas/Methan und Wasserstoff sind erheblich, zum Beispiel durch die Umstellung von Kohle auf Erdgas im Stromsektor und von ölbasierten Anwendungen auf Erdgas und Wasserstoff im Wärme- und Transportsektor. Parameter für die CO2-Einsparung muss dabei auch die CO2-Bilanz des eingesetzten Brennstoffs sein - verbrauchsnahe Förderung hat hier sicher einen Vorteil vor Import.

4. In der Erdgasinfrastruktur liegt schon wegen der Speicherbarkeit der Energie ein großes Potenzial für kostengünstige Versorgungssicherheit. Im Laufe der Zeit eröffnet der vermehrte Einsatz von erneuerbarem und synthetischem Methan (Bio-Erdgas bzw. Power-to-Gas), aber auch längerfristig der verstärkte Einsatz von Wasserstoff enorme Möglichkeiten für weitere CO2-Reduzierung.

Schwarz-Weiß-Malerei entspricht nicht der Realität
Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie initiierte Dialog "Gas 2030", der die genannten Potenziale abschätzen soll, ist ein wichtiger Meilenstein in diesem Kontext. Erfolgreich wird er sein, wenn diese Inhalte regierungsseitig nicht nur in der Umsetzung des anstehenden Klimaschutzgesetzes verankert werden. Auch die Bevölkerung muss mitgenommen werden. Die häufig betriebene, allzu schlichte Schwarz-Weiß-Malerei "erneuerbar gut, fossil schlecht" erfasst nicht die Komplexität unserer Aufgabe, die eine CO2-arme Energielandschaft zum Ziel hat und entspricht auch nicht der Realität auf dem Weg dorthin. Sondern eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung, die im internationalen Kontext der Klimaschutzanforderungen besteht, wird neben Strom auf Erdgas und Wasserstoff basiert sein und die Potenziale erneuerbarer bzw. synthetischer Herstellung heben.

   

Dieser Artikel ist im energate messenger erschienen.