Thesen zum Energiekonzept der Bundesregierung

Im Zuge der Diskussion über das Energiekonzept der Bundesregierung vom September 2010 hat der WEG folgende zehn Thesen veröffentlicht:

1. Alle Energieträger werden gebraucht, auch Erdöl und Erdgas

Der Energiebedarf wird weltweit in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen und sich auch in Deutschland weiterhin auf einem hohen Niveau bewegen. Alle Prognosen gehen davon aus, dass Erdöl und Erdgas noch über Jahrzehnte eine wichtige Rolle in der Energieversorgung werden spielen müssen. Deutschland kann auf keine Option in der Energieversorgung verzichten – weder auf die fossilen noch auf die regenerativen Energien, wobei bei der Förderung regenerativer Energien auf die Vermeidung zusätzlicher Milliardenbelastungen der Verbraucher oder finanzieller Umverteilung zu Lasten anderer Energieträger zu achten ist. Erdöl und Erdgas – insbesondere auch aus deutscher Produktion – werden jedenfalls auf absehbare Zeit im Energiemix nicht verzichtbar sein.

2. Technologieoffener Energiemix durch verlässliche Rahmenbedingungen

Die Struktur des Energiemix ist eine Folge von Entscheidungen/Investitionen der Marktteilnehmer, d.h. der Energieverbraucher und der Produzenten, innerhalb eines politisch vorgegebenen Rahmens. Ein zukunftsweisendes Energiekonzept sollte daher keinen bestimmten Energiemix festlegen. Entscheidungen der Marktteilnehmer im Energiesektor sind meist langfristig. Daher benötigen sowohl die Energieverbraucher als auch die Energieproduzenten eine technologieoffene, wettbewerbsorientierte, langfristige und verlässliche Festlegung der Rahmenbedingungen für die zukünftige Entwicklung des Energiesektors.

3. Brücke in die Energiezukunft

Erdöl und Erdgas haben derzeit einen Anteil von rund 60 Prozent am deutschen Energieverbrauch. Der Energiemix der Zukunft wird sich verändern. Aber ohne Erdöl und Erdgas wird es nicht gehen. Erneuerbare Energien stehen oft nur schwankend zur Verfügung und können eine geregelte Versorgung nicht durchgängig gewährleisten. Schwankungen werden in der Regel durch konventionelle Kraftwerke (sog. Schattenkraftwerke) aufgefangen. Darüber hinaus stehen überzeugende Speichertechnologien für Strom (noch) nicht zur Verfügung. Erdöl und Erdgas sind gleichzeitig Basis und Brücke in die Energiezukunft. Sie sorgen dafür, dass die erforderliche Zeit zur Entwicklung von Alternativen zur Verfügung steht und werden auch in Zukunft im Zusammenspiel mit allen anderen Energieträgern ein Garant für eine sichere Energieversorgung sein.

4. Klimaschutz nur mit Erdgas realisierbar

Als kohlenstoffarmer Energieträger leistet Erdgas einen wesentlichen Beitrag zur Vermeidung von CO2-Emissionen. Nur mit einem verstärkten Erdgaseinsatz – insbesondere in Kraftwerken – werden die Klimaschutzziele in Deutschland erreichbar sein. Als kohlenstoffärmster fossiler Energie­träger weist Erdgas in der Stromerzeugung um bis zu 55 Prozent niedrigere Kohlenstoffdioxid-Emissionen als andere Energieträger auf und hat außerdem niedrige Emissionen an anderen Stoffen. Da Erdgas auch in Deutschland produziert wird, werden hierdurch zusätzlich Treib­hausgasemissionen vermieden, die ansonsten auf dem Transportweg für die Importe anfallen würden – immerhin jährlich rund 7 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid-Äquivalent. Erdgas bietet für die deutsche Energie­politik das größte Potenzial für eine kostengünstige Reduktion der ­Treibhausgasemissionen und kann daher einen wesentlichen Beitrag zur ­Errei­chung der Klimaziele leisten.

5. Sichere Versorgung durch Produktion und Speicher

Erdöl und Erdgas stehen noch für Jahrzehnte sicher zur Verfügung. Die nachgewiesenen weltweiten Reserven dieser beiden Energieträger sind seit Jahren trotz der laufenden und steigenden Produktion stetig angewachsen. Der technische Fortschritt wird es auch zukünftig ermöglichen, neue, zusätzliche Reserven zu erschließen. Deutsche Unternehmen leisten einen wesentlichen Beitrag zur sicheren Versorgung – insbesondere bei Erdgas. Die deutschen Unternehmen stehen mit ihrer Produktion im In- und Ausland (16 Prozent des Verbrauchs aus inländischer Produktion und gut 10 Prozent des Verbrauchs aus Produktion in Ländern, aus denen Deutschland Erdgas importiert) sowie den von ihnen betriebenen Erdgasspeichern (Arbeitsgasvolumen rund 22 Prozent des Erdgasverbrauchs) für fast 50 Prozent sichere Versorgung des deutschen Marktes mit Erdgas.

6. Produktion von Erdöl und Erdgas technisch sicher

Erdöl und Erdgas werden in Deutschland unter hohen Standards für die technische Sicherheit sowie den Schutz der Umwelt produziert. Alle Aktivitäten der Industrie unterliegen der Genehmigung und der Aufsicht durch fachlich kompetente Bergbehörden. Die Sicherheitsstandards stellen hohe Anforderungen an die Ausrüstung der Bohranlagen sowie der Produktionseinrichtungen. Sie stellen auch sicher, dass eine Bohrung jederzeit kontrolliert geschlossen werden kann. Hinzu kommt der hohe Ausbildungsstand der in Deutschland eingesetzten verantwortlichen Fachleute auf den Bohranlagen und in den Produktionsbetrieben. Seit vielen Jahren liegt die Unfallhäufigkeit in der Erdöl- und Erdgasproduktion etwa um den Faktor zehn niedriger als im Durchschnitt der gesamten deutschen Industrie.

7. Erdgas als Basis für die Nutzung von Sonne und Wind

Die hohe Flexibilität im Einsatz sowie die Verfügbarkeit machen Erdgas zum idealen Energieträger für die Absicherung der hohen Schwankungen in der Stromproduktion aus Sonne und Wind. Die Kombination von Erdgaskraftwerken mit Solar- und Windenergie ermöglicht eine wirtschaftliche, sichere und umweltverträgliche Energienutzung – im Sinne des energiepolitischen Zieldreiecks. Erdgas ist somit auch die Basis für den weiteren Ausbau der Sonnenenergienutzung und der Windenergie.

8. Erdgas hat Vorteile in der Stromerzeugung

Erdgas weist in der Stromerzeugung eine Reihe von Vorteilen auf:

  • Niedrige Kohlenstoffdioxid-Emissionen – um bis zu 55 Prozent geringer als bei anderen fossilen Energieträgern
  • Niedrige Emissionen anderer Stoffe wie z.B. Stickoxide oder Schwefeldioxid
  • Hohe Flexibilität im Einsatz durch kurze Anfahrzeiten der Kraftwerke
  • Energieeffizienz durch hohe Wirkungsgrade in der Stromerzeugung
  • Ermöglichung dezentraler Stromerzeugung, auch in Verbindung mit hocheffizienter Kraft-Wärme-Kopplung
  • Hohe Verfügbarkeit durch Speicher, heimische Produktion und diversifizierte Lieferquellen mit großem Anteil aus Westeuropa (z.B. Niederlande, Dänemark, Norwegen); zukünftig weitere Lieferquellen über neue Pipelines und LNG verfügbar

9. Erdöl und Erdgas stehen subventionsfrei zur Verfügung

Im Gegensatz zu vielen anderen Energieträgern stehen Erdöl und Erdgas subventionsfrei zu wettbewerbsfähigen Weltmarktpreisen zur Verfügung. Die meisten anderen Energieträger sind auf Subventionen entweder in Form direkter Zuschüsse oder garantierter hoher Einspeisevergütungen angewiesen. Für in Deutschland produziertes Erdgas und Erdöl werden dagegen Förderabgaben an den Staat abgeführt.

10. Mit Erdöl und Erdgas zu Alternativen für die Energiezukunft

Erdöl und Erdgas spielen eine wichtige Rolle für die Energiezukunft. Zusätzlich sind sie Wegbereiter für neue Entwicklungen. Ohne die Bohrtechnik, die zur Erschließung von Erdöl- und Erdgaslagerstätten entscheidend ist, wäre die Nutzung geothermischer Energie kaum vorstellbar. Außerdem kann auch die Einlagerung von Kohlenstoffdioxid im Untergrund auf die bewährte Technik aus der Erdöl- und Erdgasproduktion zurückgreifen. Technische Fortschritte in der Erdöl- und Erdgasproduktion werden daher nicht nur neue Erdöl- und Erdgasreserven für zukünftige Generationen erschließen, sondern auch die weitere Nutzung neuer, alternativer Energietechnologien vorantreiben.