Bei der Erdgas- und Erdölförderung gehen Tradition und Innovation Hand in Hand

Tradition und Innovation bei der Produktion von Erdgas und Erdöl? Ja. Denn in Deutschland wird seit mehr als 150 Jahren Erdöl und seit über 60 Jahren Erdgas produziert – eine Zeitspanne, in der wir immer wieder technisches Neuland betreten haben.

1859: weltweit erste Ölbohrung in Deutschland

Als vor über 150 Jahren die wahrscheinlich weltweit erste Ölbohrung in Wietze bei Celle fündig war, konnte noch niemand ahnen, welche Bedeutung dieser Rohstoff erlangen würde. Erdöl wurde zum wichtigsten Energieträger und deckt auch heute zu 35 Prozent den Energiebedarf unseres Landes. Die seit den 1950er Jahren in Deutschland gefunden Erdgasquellen waren gemeinsam mit dem Erdgas aus den Niederlanden die Basis für den Aufbau des Gasversorgungssystems. Mit Erdgas wird inzwischen rund die Hälfte der deutschen Haushalte mit Heizenergie versorgt. Von Anfang an dabei, können die Erdgas- und Erdöl-Produzenten in Deutschland heute auf jahrzehntelange Erfahrungen und Entwicklungen zurückgreifen.

Viele der heute weltweit eingesetzten Verfahren wurden in Deutschland maßgeblich entwickelt oder verbessert.

Hierzu gehören beispielsweise

  • die Seismik, erfunden durch Ludger Mintrop in den 1920er Jahren. Die heute übliche 3D-Seismik erlaubt mittels Schallwellen einen „Blick“ in die Tiefe und die Entwicklung eines dreidimensionalen Bildes des Untergrundes,
  • die Horizontalbohrtechnik, bei der eine zunächst vertikale Bohrung im Zielgebiet bis in die Horizontale abgelenkt wird. Grundlage für die Entwicklung der Horizontalbohrtechnik waren Forschungen für neue Bohrsysteme im Rahmen der Kontinentalen Tiefbohrung in der Oberpfalz (1987 – 1995). Die 2002 durchgeführte weit abgelenkte Bohrung Dieksand 6 ist mit 9275 Metern Bohrlänge die längste Erdölbohrung Europas. Auch heute werden in Deutschland Bohrsysteme weiterentwickelt. Mit den modernsten in Deutschland entwickelten Bohrsystemen kann die Bohrrichtung durch einen direkt am Bohrmeißel eingebauten Computer vollautomatisch gesteuert werden. Weitere Forschungen finden beispielsweise am Bohrsimulator in Celle statt,
  • die Frac-Technologie, ein bewährtes Verfahren, das seit den 1960er Jahren in Deutschland eingesetzt wird. Seit Mitte der 1990er Jahre werden in Deutschland sog. Tight Gas-Lagerstätten erschlossen. Dies wurde möglich durch die Kombination von Horizontal-Bohrungen mit der Multi-Frac-Technologie, bei der in einer Bohrung mehrere Fracs durchgeführt werden. Im weltweiten Vergleich hat 1995 eine Bohrung im Erdgasfeld Söhlingen Maßstäbe gesetzt.

Forschung und Innovationen im Land der Ideen

In Deutschland forschen die Unternehmen an Technologien für den Einsatz in der ganzen Welt und stets auch mit dem Ziel, Ressourcen zu schonen. Die Entwicklung innovativer Fördertechniken stärkt den Standort Deutschland, denn das Know-how der deutschen Produzenten ist auch ein Exportschlager.

www.land-der-ideen.de

Die jahrzehntelange Erdgas- und Erdölförderung erforderte die ständige Weiterentwicklung der eingesetzten Technologie. Was deutsche Ingenieurskunst und verantwortliche Technologie leisten kann, zeigen die im Emsland entwickelten EOR-Verfahren, die 2009 mit dem Preis „Land der Ideen“ ausgezeichnet wurde (https://www.land-der-ideen.de/365-orte/preistraeger/dampfflutanlage-emlichheim). Diese Technologien werden ständig weiterentwickelt. Die aktuelle Forschung arbeitet daran, mit einem Pilz ein Biopolymer zu entwickeln, das die Förderung von Erdöl verbessert und dabei vollständig biologisch abbaubar ist.

Forschung für die Erdgas- und Erdölproduktion in Deutschland findet insbesondere an den spezialisierten Universitäten in Clausthal und Freiberg, aber auch in technischen Instituten an anderen Hochschulstandorten statt.

Das Zentrum für Innovation und Forschung bildet dabei die heimische Förderung. Mit Blick auf die lange Tradition ist Deutschland aber noch viel mehr – die heimischen Fördergebiete sind für die Unternehmen wichtige Regionen für die zukünftige Suche und Produktion von Erdöl und Erdgas. Die Potenziale sind vorhanden, nach dem jüngsten Reserven- und Ressourcen-Bericht der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) verfügt Deutschland über ein Potenzial (Reserven und Ressourcen) von 1.574 Milliarden Kubikmetern Erdgas. Dies entspricht mehr als 150 Jahren heimischer Erdgasproduktion auf dem aktuellen Niveau. Die deutschen Produzenten verfügen über das Know-how, diese Potenziale zu erschließen – aufbauend auf mehr als 150 Jahren Erfahrung.

Gestaltung der Rahmenbedingungen

Die heimische Produktion von Erdgas und Erdöl braucht Rahmenbedingungen, die den geologischen und technischen Herausforderungen gerecht werden und Anreize zur technologischen Weiterentwicklung geben.

Berlin hat 2016 neue Regularien beschlossen und damit eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der heimischen Produktion getroffen. Die traditionelle Erdgasförderung hat mit der Verabschiedung des Gesetzes wieder eine Perspektive in Deutschland. Die neuen Regularien für die konventionellen Projekte trägt die Branche im Sinne von Umweltschutz und Akzeptanz mit.

Das Verbot der unkonventionellen Erdgasförderung und die Einschränkungen für Forschungsprojekte sind dagegen nicht nachvollziehbar. Mehr als fünf Jahre wurde über den gesetzlichen Rahmen diskutiert, doch anstatt einen klaren Weg aufzuzeigen, wie neue Lagerstätten erforscht und erkundet werden können, blockiert die Politik weiterhin. Dabei könnten die Voraussetzungen für einen verlässlichen, umweltverträglichen und bezahlbaren Energiemix mit heimischem Erdgas kaum besser sein: Eine etablierte Industrie mit mehr als 60 Jahren Erfahrung steht bereit, die enormen vorhandenen Potenziale zu erschließen.