Neue Fracking-Gesetzgebung

Deutschland braucht eine Perspektive für die Erdgasproduktion. Berlin hat nun neue Regularien beschlossen und damit eine wichtige Entscheidung für die Zukunft der heimischen Produktion getroffen. Mehr als fünf Jahre wurde über den gesetzlichen Rahmen diskutiert, doch anstatt einen klaren Weg aufzuzeigen, wie neue Lagerstätten erforscht und erkundet werden können, blockiert die Politik weiterhin. Dabei könnten die Voraussetzungen für einen verlässlichen, umweltverträglichen und bezahlbaren Energiemix mit heimischem Erdgas kaum besser sein.

BVEG Hauptgeschäftsführer Dr. Christoph Löwer hat sich in einem Fachbeitrag zum emw Special „Gasmarkt im Umbruch“ zur neuen Fracking-Gesetzgebung geäußert:

Auswirkungen des Fracking-Gesetzes auf die deutsche Erdgasförderung

Die heimische Erdgasproduktion ist Vielen erst im Zuge der öffentlichen Debatte über Fracking bewusst geworden. Dabei geht es um viel mehr als eine Technologie: Es geht um den Wert, den eigene Energierohstoffe bieten und um eine sichere Versorgung des Marktes.

Aus Sicht des Marktes und der Verbraucher wird die Erdgasproduktion meist nur im Falle von Versorgungsengpässen thematisiert. In der öffentlichen Debatte wird die Verfügbarkeit von Erdgas ausgeblendet. Völlig unabhängig von der Versorgungsfrage wird darüber diskutiert, ob es Erdgasproduktion in Deutschland geben sollte oder ob darauf verzichten werden kann. Fracking ist dabei ein Schlagwort geworden, das längst nicht mehr für eine Technologie steht. Dabei lassen sich kaum wissenschaftlich begründete Argumente finden, die gegen Fracking sprechen. Das zeigen sowohl die Erfahrungen in Deutschland, wo das Verfahren seit Jahrzehnten sicher und umweltverträglich im Einsatz ist. Aber auch die vielfältigen Gutachten der vergangenen Jahre bestätigen, dass es keinen Grund für ein Fracking-Verbot gibt. Doch in einer emotionalen Debatte ist es schwer, mit Fakten zu überzeugen. Wissenschaftliche Erkenntnisse und langjährige Erfahrungen erhalten dabei leider wenig Gewicht.

 

Erfahrungen und Studien zeigen, dass Fracking sicher und umweltverträglich ist

Seit den 1960er Jahren wird in Deutschland Erdgas gefördert. Dabei spielt auch Hydraulic Fracturing eine wichtige Rolle. 1961 kam das Verfahren erstmals zum Einsatz und wurde seitdem allein in Niedersachsen mehr als 320 mal sicher und umweltverträglich angewendet, um Fließwege in sehr dichten Gesteinsformationen zu schaffen.

Seit 2011 gab es rund um das Thema Fracking zahlreiche Studien und Stellungnahmen, viele davon im Auftrag von Landes- und Bundesinstitutionen (u.a. durch den Sachverständigenrat für Umweltfragen, die Landesregierung Nordrhein-Westfalen, das Umweltbundesamt, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe sowie durch die Akademie für Technikwissenschaften). Keines dieser Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass Fracking in unkonventionellen Lagerstätten zu verbieten sei. Ganz im Gegenteil geht aus all diesen Studien die Empfehlung hervor, die bewährte Technologie auch in unkonventionellen Lagerstätten zu erforschen und daraus Erkenntnisse für die weitere Anwendung zu gewinnen.

 

Fünf Jahre politische Blockade haben gravierende Folgen

Die Diskussionen der vergangenen Jahre haben zu einem Investitionsstau von rund einer Milliarde Euro in dieser Industrie geführt und tiefe Spuren hinterlassen. Neben dem Abbau von hunderten Arbeitsplätzen ist ein dramatischer Rückgang der Erdgasproduktion in Deutschland zu verzeichnen. Seit 2011 hat sich die Erdgasproduktion in Deutschland von 12 Milliarden Kubikmetern um ein Drittel auf 8,6 Milliarden Kubikmeter reduziert. Der Versorgungsbeitrag aus heimischen Quellen ist dadurch von 14 Prozent auf 9 Prozent gesunken. Die Versorgung des Marktes hat in der Debatte allerdings kaum eine Rolle gespielt. Spätestens seit dem letzten Netzentwicklungsplan Gas ist aber auch die heimische Erdgasproduktion wieder in den Fokus gerückt. Etwa ein Drittel des inländischen Marktes wird aktuell mit L-Gas versorgt, das nur aus der Produktion in Deutschland und den Niederlanden verfügbar ist. Aufgrund des Produktionsrückgangs in diesen Ländern werden umfangreiche und kostenintensive Umstellungsmaßnahmen in den Netzen und bei den Verbraucheranlagen erforderlich.

Deshalb ist es gut, dass die Bundesregierung nun die Weichen für die Zukunft der heimischen Erdgasproduktion gestellt hat. Denn der hiesige Produktionsrückgang hat zwei Ursachen: eine natürliche und eine politische. Dass die Kapazitäten einer Lagerstätte durch die laufende Produktion abnehmen, ist ein natürlicher Vorgang, der durch die Erschließung neuer Potenziale ausgeglichen werden kann. Seit 2011 wurde das aber in Deutschland politisch blockiert.  Eingereichte Anträge wurden seitens der Behörden mit Hinweis auf neue geplante gesetzliche Regelungen nicht bearbeitet. Außerdem hat die rechtliche Unsicherheit dazu geführt, dass die Unternehmen Anträge für neue Projekte erst gar nicht vorbereiten konnten. Die Politik hat mehr als fünf Jahre über neue Regularien für die Erdgasproduktion diskutiert und diese nun endlich auch beschlossen. Mit der Verabschiedung des Gesetzespaketes bekommt die konventionelle Erdgasförderung in Deutschland wieder eine Perspektive.

 

Perspektive nur für die traditionelle Erdgasförderung

Mit der Verabschiedung des Gesetzespaketes werden spürbare Verschärfungen geschaffen, die aber eine tragfähige Basis für die Fortsetzung der traditionellen Erdgasproduktion sein können. Gleichzeitig sind damit jedoch auch viele Restriktionen verbunden und die Investitionsbedingungen werden sich gravierend verändern.

So gelten für Fracking in konventionellen Lagerstätten zukünftig starke Einschränkungen und hohe Auflagen. In bestimmten Gebieten wie z.B. Wasserschutzgebieten wurde Fracking komplett verboten. Außerdem wurden die technischen Anforderungen mit dem Ziel von mehr Sicherheit und Umweltschutz verschärft.   Die deutschen Erdgasproduzenten akzeptieren dies aber im Sinne von Umweltschutz und Akzeptanz. Mit neuen Fracking-Projekten ist trotzdem so schnell nicht zu rechnen, da das Gesetz formal erst im Februar 2017 in Kraft treten wird. Und die Genehmigungsverfahren werden durch die neuen Regularien, wie zum Beispiel durch Umweltverträglichkeitsprüfungen  viel Zeit in Anspruch nehmen.  

Fracking in unkonventionellen Lagerstätten wird dagegen generell verboten. Zwar sollen wenige Forschungsprojekte grundsätzlich möglich sein, doch nur mit Zustimmung der jeweiligen Landesregierung. Die kommerzielle Förderung aus diesen Lagerstätten ist durch den beschlossenen Parlamentsvorbehalt bis auf Weiteres verboten. Das ist ein fatales Signal für die Industrienation Deutschland, die eigentlich ein großes Interesse daran haben müsste, Vorreiter bei technischen Innovationen zu sein. Statt Chancen zu nutzen, werden sie verhindert. Diese Entscheidung hat langfristig Auswirkungen, da große Potenziale nicht genutzt werden sollen. 

 

Enorme Potenziale werden praktisch aus der Hand gegeben

Einer aktuellen Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zufolge wird das förderbare Erdgaspotenzial allein in Schiefergesteinen in Deutschland auf bis zu 2030 Milliarden Kubikmeter beziffert. In Kohleflözen gelten 450 Milliarden Kubikmeter Erdgas als technisch förderbar. Das ist ein Vielfaches der bekannten Reserven in Deutschland in Höhe von 68 Milliarden Kubikmeter.

Doch nur ein geringer Teil dieser enormen Potenziale wird ohne Fracking nutzbar sein und kann mit den neuen gesetzlichen Regelungen – wenn überhaupt – nur in begrenztem Umfang erforscht werden. Mit wissenschaftlich und öffentlich begleiteten Projekten wollen die Erdgasproduzenten wieder Akzeptanz für die heimische Förderung erlangen. Sie wollen den Beweis antreten, dass die Erschließung neuer Lagerstätten sicher und umweltverträglich ist und werden damit zeigen, dass Nachhaltigkeit und wirtschaftliche Interessen zusammenpassen. Das wird dann bei der für 2021 anstehenden Entscheidung des Bundestages zu einer Aufhebung des Verbots hoffentlich Wirkung zeigen.

 

Erdgas aus Deutschland wird für die Energiewende dringend benötigt

Erdgas ist ein wichtiger Energierohstoff für Deutschland. Zum Beispiel als Heizenergie. Mittlerweile wird hierzulande jede zweite Wohnung mit Erdgas warm. Als verlässlicher Lieferant für Strom und sauberen Kraftstoff ist Erdgas der ideale Partner der Energiewende. Mit der heimischen Produktion können wir einen signifikanten Beitrag für die Versorgungssicherheit leisten. Derzeit werden hier jährlich knapp zehn Milliarden Kubikmeter Erdgas gefördert und damit etwa neun Prozent des Bedarfs im Land gedeckt.

Auch in Zukunft kann ein wesentlicher Teil des deutschen Erdgasbedarfs aus eigenen Quellen kommen und zu mehr Unabhängigkeit von Lieferquellen im Ausland beitragen. Eine Studie des internationalen Beratungsunternehmens IHS, die im Auftrag der chemischen Industrie Wege für eine wettbewerbsfähige Gestaltung der Energiewende gesucht hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Erdgas aus Deutschland in den 2030er Jahren den hiesigen Bedarf durchaus zu 35 Prozent decken könnte.

Deutschland hat mit heimischem Erdgas ein Ass im Ärmel. Eine etablierte Industrie mit mehr als 60 Jahren Erfahrung steht bereit, die vorhandenen Potenziale zu erschließen. Die hochqualifizierten Mitarbeiter arbeiten täglich mit höchsten Anforderungen an Umweltschutz und Arbeitssicherheit, damit die Erdgasproduktion in Deutschland umweltverträglich ist und auch in Zukunft zu einer sicheren Energieversorgung beiträgt. Im Niedersächsischen Celle befindet sich die weltweit einzigartige Bohrmeisterschule, in der diese Kompetenzen vermittelt werden. Dieses Know-how ist auch Vorbild und Exportschlager für internationale Projekte. Wir sollten es nutzen, damit Bodenschätze weltweit sicher und zuverlässig gefördert werden können.