Erdgas ja, Fracking nein? Zum Gastkommentar von Claudia Kemfert im Handelsblatt (14. April 2016)

Meinung von Dr. Christoph Löwer, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Erdöl- und Erdgasgewinnung e.V.

"Energiethemen werden kontrovers diskutiert. Nur in wenigen Punkten besteht ein breiter Konsens. Einer der wenigen Punkte, der durch nahezu alle politischen und öffentlichen Lager hindurch unbestritten ist: Erdgas wird auch in den kommenden Jahren und Jahrzehnten einen wichtigen Platz im heimischen Energiemix haben.Als Wärmelieferant, Rohstoff für die Industrie und – auch wenn der Trend derzeit in eine andere Richtung weist – als idealer Partner von Wind und Sonne. Um so wichtiger, dass Deutschland sich bei einem so wichtigen Energieträger nicht zu sehr von Importquellen abhängig macht. Und so kann ich Claudia Kemfert nur zustimmen, die sich in der gestrigen Ausgabe des Handelsblatts für eine Diversifizierung des Erdgasbezugs stark machte und zurecht betonte, es sei gut, auf heimische Quellen zu setzen.

Die weitere Lektüre aber macht stutzig. Heimisches Erdgas ja, nur das mit dem Fracking, das lohne nicht, denn die Potenziale seien in Deutschland viel zu gering. Das kann ich so nicht stehen lassen. Das Potenzial ist sogar enorm. Richtig, die konventionellen Vorkommen gehen in absehbarer Zeit zur Neige, wobei auch hier noch nennenswerte Mengen Erdgas schlummern, die sich mit dem seit Jahrzehnten bewährten und auch hierzulande praktizierten Fracking-Verfahren fördern ließen. Deutschland hat aber noch andere Potenziale, insbesondere im Schiefergestein. Die Chef-Geologen der Bundesregierung, die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, hat gerade jüngst ihre Potenzialabschätzung aus dem Jahre 2012 verfeinert und noch einmal bestätigt, dass die heimischen Erdgaspotenziale mehr als beachtlich sind: Bis zu 2030 Milliarden Kubikmeter Erdgas ließen sich danach aus dem Schiefergestein fördern. Ist das viel? Allemal: Rein rechnerisch wären das mehr als 20 Jahre Vollversorgung mit Erdgas, zumindest aber über viele Jahrzehnte ein wichtiger Beitrag zur Diversifizierung der Aufkommenquellen. Ja, die heimische Erdgasförderung steht vor dem Aus. Aber nicht, weil kein Erdgas da wäre! Sondern weil es in Berlin bis heute nicht gelungen ist, das Gesetzgebungspaket für neue Rahmenbedingungen zum Abschluss zu bringen."