Gastbeitrag in der WELT: Energie ist weit mehr als Strom

Deutschland befindet sich mitten in der Energiewende, der Ausstieg aus der Kernenergie ist beschlossen und die Erneuerbaren Energien verzeichnen große Zuwachsraten. Die Diskussion um die deutsche Energieversorgung wird allerdings insbesondere um den Strommarkt geführt, denn dort spielen die Erneuerbaren tatsächlich schon heute eine wichtige Rolle – ca. 30 % des Strombedarfs wird aus erneuerbaren Quellen gedeckt. 

Aber Strom macht weniger als ein Fünftel des Energieverbrauchs in Deutschland aus. Betrachtet man diesen, stellt man schnell fest, dass wir zwar schon auf einem guten Weg sind, aber auch heute noch knapp 80 % der Energie aus Erdöl, Erdgas und Kohle erzeugt werden.

Erdgas ist die Nummer 1 im Wärmemarkt

In jeder zweiten Wohnung im Bestand und im Neubau sorgt eine Erdgasheizung für Wärme. Erdöl, der wichtigste Energieträger in Deutschland, spielt insbesondere im Verkehr eine unschlagbare Rolle. Die 43 Millionen Autos in Deutschland werden fast ausschließlich mit Erdöl, d.h. Benzin oder Diesel, betrieben. Diese Autos werden auch noch in einigen Jahren auf Deutschlands Straßen fahren.

Neben der Energieversorgung werden Erdgas und Erdöl aber auch als Rohstoff benötigt.

Kein Windrad dreht sich ohne Erdöl. Jede dieser Anlagen besteht zu 45 % aus Erdöl und Produkten der petrochemischen Industrie. Für den Betrieb braucht jedes Windrad jährlich 500 bis 600  Liter hochwertigen Schmieröls. Jeder von uns nutzt jeden Tag Produkte die Erdöl enthalten, Kosmetik, Medikamente, Handys, Reinigungsmittel - all diese Alltagsgegenstände wären ohne Öl und Gas nicht denkbar.

Für Industrieländer wie Deutschland werden die Energieträger Erdöl und Erdgas deswegen weiterhin auf absehbare Zeit ein großes Gewicht haben.

Im Rahmen der Energiewende muss gerade Erdgas als klimaverträglichster, fossiler Rohstoff eine besondere Rolle zukommen. Es bietet schnell und kostengünstig realisierbare Chancen für den Klimaschutz und kann in der Stromerzeugung die Schwankungen der Erneuerbaren ausgleichen.

Aus unserer Sicht stellt sich aufgrund dessen nicht die Frage, ob wir in den nächsten Jahrzehnten Erdgas und Erdöl brauchen, sondern lediglich, ob wir diese Energieträger vollständig importieren oder auch die Möglichkeiten für eine eigene, verantwortungsvolle heimische Produktion nutzen wollen.

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